Es ist nicht leicht einen Text über eine Person
zu schreiben, die immer und immer wieder neue Eigenschaften und
Facetten aufzeigt. Nicht, dass ich glaube jetzt ist es passiert,
jetzt habe ich sie alle gesehen, die Facetten, und daher kann der
Text raus an die Öffentlichkeit. Nein, morgen wird sie wieder irgend
etwas tun oder sagen, was hierhin gehören würde. Aber irgendwann
muss es gut sein:
Anja startete einen ganz ‚normalen’ Joblebenslauf als solide
Bauzeichnerin. „Aber das Dumme ist, dass man tagtäglich 8
Stunden lang 5 mal die Woche arbeiten muss. Und das morgens ab 8!
Wie früh ist DAS denn?!“ Sie beschloss, dass sie mehr vom Leben
wollte.
Mit stierischer (ein Mai Kind!) Konsequenz veränderte sie den Lauf
der Dinge und nahm ihre Träume in die eigene Hand. Ruckzuck taucht
sie in der Ruhr-Metrolpole (na ja für sie zumindest) Bochum auf,
um einem Studium der Theaterwissenschaften
nachzugehen, um Gesangs- und Schauspielunterricht zu nehmen, um
die Welt der Bühne in sich aufzusaugen und sich darin auszutoben.
Plötzlich war Anja da - egal wohin man sich nun wandte - auf allen
Bühnen Bochums!
Sie ist Emsländerin durch und durch - sie vergleicht sich gerne
selbst mit dem Landei Rose aus der TV-Serie „Golden Girls“, die
gerne ihre Sankt-Olaf-Geschichten (man tausche Sankt-Olaf gegen
Meppen aus) zum Besten gibt. Ihr Hobby ist:
Reden.
Kaum zu übersehen diese Frau hat die Präsenz
zur hauseigenen Marke gemacht und kaum zu vergessen, hat
man endlich einmal das Vergnügen ihr glockenhelles Lachen zu erhorchen.
Man lacht mit, ob man will oder nicht. Sicherlich werden die Bewohner
der Städte Herne, Witten, Hattingen und Gelsenkirchen dies bestätigen
können. In einer windstillen Nacht sagt man, auch in Wuppertal sie
hören zu können.
Der geborene Gesellschaftsmensch - sie
ist die Person für jede Gelegenheit. Sie kann ein elegantes Abendkleid
ebenso souverän tragen wie eine quietsch-pinke Perücke - und manchmal
sogar beide zusammen. Und es passt einfach in den Rahmen. Ein Insidergeheimnis
gelüftet: Sie ist keine echte Blondine. (Sorry Anja, aber tröste
dich: Marilyn war es ja auch nicht.)
Anja geht ihren Weg. Sie hat so eine
Denkt-was-Ihr-wollt-is’-mir-doch-scheißegal Ausstrahlung (und dabei
ist sie nicht mal Punkerin!). Regeln nimmt sie zur Kenntnis, doch
die sind eher lästige kleine Alltagsärgernisse wie Briefkastenwerbung
oder Funklöcher. „Jesses, braucht man das?! Wie überflüssig ist
DAS denn??“
Wie es sich für eine wahre Chansonsängerin
gehört singt sie in blanker Ehrlichkeit. In ihrem Programm Lieder
nach dem Happy End“ singt sie über sich, über die Liebe, über
das Leben. Und genau diese Art von Ehrlichkeit macht sie aus. Musik
und Anja sind nicht voneinander wegzudenken. Ihre Stimmungen sind
von der gerade eingelegten CD abzuhören. (energisch: Garbage wütend:
Rammstein düster umwölkt: Enomine - verliebt: Georgette Dee)
Sie nimmt kein Blatt vor den Mund; spricht
es aus wie es ist. „Pimpelkopp“, „Arschkram“, „geiles Geschiss“
nee, man kann gewiss nicht sagen, ihr Vokabular wäre nicht griffig
und konkret. Zu mir sagt sie „Stockfisch“. Naja, wir wollen ja nicht
über mich reden.
Das Moderieren hat sie im Blut. Sicherlich hat sie euch,
liebe Leser, von irgendeiner Bühne aus zum Lachen, Singen und Tanzen
gebracht, wo Sie am allerwenigsten darauf eingestellt waren. Oh,
macht euch nichts daraus: Ihr konntet es nicht sein!
Und wer ist also jetzt Anja?
Vielleicht kennen ihr sie als Tante Anja
von Kunst
und Kuchen“.
Vielleicht als Teil des dynamischen Duos die „Salbei
Bonbons“.
Vielleicht als Chansonsängerin in Lieder
nach dem Happy End“ in dem Trio Anja Balzer, Jan Forth und Fabian
Dimski.
Vielleicht als Impro-Schiedsrichterin
Olga
Rachowa im Thealozzi?
Oder gar als die Furie, Verwandlungskünstlerin
und Lichtblitz
bei der Improvisationsgruppe DIE HOTTENLOTTEN! Sicherlich ist aber
mit die sympathischste Anja, die nach einem langem anstrengenden
Tag mit leerem Blick auf einen Fernseher fixiert, auf einem Sofa
sitzend und gebackene Bohnen mit Scheibletten-Käse in sich hineinschaufelt.
In ihrem linken Hausschuh am großen Zeh ist ein Loch.
Denn Anja ist bei allem noch eins geblieben: Sie ist ein Mensch
wie ihr und ich (geschrieben von einem langjährigen Mitbewohner
von Anja).
Kontakt: a.balzer@hottenlotten.de,
www.anja-balzer.de
|